Kommentar von Peter Zoss | 05.06.2018

Für 2 Wochen durften wir im Mai mit sieben erwachsenen Personen dieses schöne Schiff durch die Ostsee führen. Auf verschlungenen Wegen führte uns der Törn um Fünen und zum Abschluss noch um Fehmarn. Am Schluss standen auf den Punkt 500 sm im Logbuch!

Segeln:
Sehr gute Segeleigenschaften ab 3 Bf und gut zu handeln bis 7Bf (mehr gab es nicht). Bei 7 Bf mit 2 Reffs und halb eigerollter Genua ergeben einen Wendewinkel von ca. 100° durch Wasser, was für ein Schiff dieses Typs nicht übel ist!

Unter Maschine läuft man durch Wasser mit ca. 6kn bei 1600min-1. Bei dieser Drehzahl ist das Geräuschniveau in der Kabine sehr erträglich, der Dieselverbrauch ist ca. 2 Liter/Stunde. Ein sehr guter Wert!

Die Platzverhältnisse sind für sieben Personen gut, eine Person im Salon (bei 1.82m Körperlänge ist die Länge der Koje gerade ausreichend…) .
Riesiger klappbarer Tisch. Er kann abgesenkt werden und so als Doppelkoje verwendet werden. Beim Essen kein Gedränge um den Tisch.
Echter Kartentisch im Innern des Schiffes!!
Kein Mangel an Stauraum, aber leider kein Platz vorgesehen zum Aufhängen von nassem Ölzeug. Wir haben zu diesem Zweck die Dusche umfunktioniert .

Gewöhnungsbedürftig: Stufen im Schiff. Vom Bereich Navigation/Küche hat es eine Stufe in den Salon, eine weitere Stufe zum Vorschiff. Anfangs haben ein paar die Zehen angestossen, bzw. sind gestolpert. Nach ein paar Tagen hat man es in Fleisch und Blut.

Instrumentierung: Sehr schöner und intuitiv zu bedienender Kartenplotter mit AIS (sehr wertvoll), brandneues Radar Raytheon Quantum. Am Kartentisch ein Tablet mit Navigationssoftware – leider nicht mit der Bordelektronik gekoppelt. Aber auch mit den Navionics-Karten lässt sich unter Deck sehr gut navigieren. Bei Sonnenschein sind die Instrumente an Deck nicht immer gut ablesbar, insbesondere der elektronische Kompass. Ich rege an, einen zweiten Magnetkompass einzubauen, so könnte man auf Bb und Stb damit steuern. Steuern nach Magnetkompass ist eh einfacher, als nach dem elektronischen Kompass.

Wetter: zwei Wochen und kein Tropfen Regen (ausser einer Nacht im Hafen, wo gerade knapp das Deck nass wurde). Meist Sonne pur, Temperaturen über Tag gegen 20°C, zu Beginn schwachwindig, dann 3-7Bf, Windrichtung (fast) immer Ost. Eigentlich wäre da ein Preiszuschlag fällig gewesen…

Ein grosses Lob an die Crew von 1. Klasse-Yachten: Am letzten Mittwoch des Törns kamen wir am späteren Nachmittag nach Heiligenhafen und orientierten am Stegbüro einen defekten Mastrutscher am Grosstuch (als Vorbereitung für die Abgabe am kommenden Freitag). 15 Minuten später war der Segelmacher da, 30 Minuten später ein neuer Mastrutscher am Segel! Schneller geht nicht!!

Pannen:
Nicht funktionierende Tankfüllanzeige (bei ca. 60 Liter nachgefülltem Diesel stand die Anzeige immer noch auf 100%). Beim Abziehen des Kabelschuhs am Tankgeber ist dann gleich die ganze Anschlussfahne mit gekommen –> Garantiefall bei dem neuen Schiff.
Durch falsche Instruktion wurden die Toiletten in den Fäkalientank entleert, bis ein Überdruckventil reagierte es roch ein wenig streng, bis dieser Fehler lokalisiert war. Auspumpen des Tanks und 3-Wege-Ventil umstellen haben die Sache dauerhaft behoben. Der Bootsmann wird dies nie mehr falsch instruieren!
Mastrutscher bereits erwähnt.
Bullenstander ist mit viel zu kleinen Schäkeln ausgerüstet. So ist diese für mich wichtige Hilfe leider unbrauchbar. Für mich würde ich zwei Bullenstander fahren, einen auf Stb, den anderen auf Bb. Diese könnten immer angeschlagen bleiben und müssten bei Überstag gehen auch nicht umgehängt werden.

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